Zur Vollgeldinitiative vom 10. Juni 2018

Leserbrief zu „Vollgeld ist ein Kind der Krise“ von Thomas Fuster – NZZ vom Montag, 30. April 2018 –

NZZ_30042018_kleinDer Chicago-Plan war 1933 als Reaktion auf Bank Runs (Anstürme auf Banken) entwickelt worden, welche neben der Aktien-Spekulationsblase als weitere Krisenursache der damaligen Grossen Depression galten.

Die Vollgeld-Initianten suggerieren heute, dass unsere Finanzkrise 2007/08 auch eine Bank Run-Krise war und folglich künftige Krisen dieses Typs durch ein Vollgeldregime vermieden werden könnten. Das ist falsch. Die Finanzkrise 2007/08 war im Wesentlichen eine Finanzmarktkrise, die ihren Ursprung in der übermässigen Verschuldung im US-amerikanischen Hypothekarmarkt hatte. In einer Vollgeldwelt hätten Banken weiterhin ein hohes Volumen von Schulden und ein nicht minder hohes von Krediten und anderen Finanzaktiven – was schliesslich ihre legitime ökonomische Funktion ist, aber auch Liquiditäts- und vor allem Solvenzrisiken mit sich bringt. Die heute wirklich relevanten systemischen Risiken, nämlich die Solvenzrisiken, würden durch die Vollgeldinitiative nicht vermindert. Ein besseres und weniger riskantes Mittel zur Verhinderung von Finanzkrisen der modernen Art ist die Erhöhung der Eigenkapitalausstattung der Banken. Eine solche Erhöhung ist ein zielgerichteteres Mittel als das durch die Vollgeldinitiative angestrebte Umpflügen des gesamten Geldwesens. Die Initiative erwähnt dieses Mittel zwar en passant auch. Für dessen Implementierung braucht es aber den Vollgeldplan nicht. Dafür genügen die bereits bestehenden Kompetenzen vollkommen. Deshalb empfehle ich, am 10. Juni die unsinnige Vollgeldinitiative abzulehnen.

Prisca Koller
Ökonomin und Kantonsrätin FDP